Warum es Großpfarreien bereits vor 1.275 Jahren gab
17.02.2026 |
Badische Neuste Nachrichten, 03.02.2026, Roland Spether
Die neue Kirchengemeinde Acher-Renchtal feiert Brigittenfest erstmals gemeinsam – mit einer Gemeindeteam-Wahl
Sasbach. War die Heilige Brigitta von Kildare, Schutzpatronin von Sasbach und Nationalheilige von Irland, tätowiert?
Dieser Gedanke des Kooperators Werner Bauer klang im Festgottesdienst zum Patrozinium wenig nach Heiligkeit. Doch bei den Ausführungen des Seelsorgers wurden deutlich, dass Brigitta durchaus ein Tattoo als besonderes Zeichen getragen haben könnte.
Denn ihre Mutter stammte aus einem geheimnisvollen Volk in Schottland, das die Römer bei ihrem Vorstoß bis zum Hadrianswall in Britannien „Picti“ – „Die Bemalten“ nannten, weil die Menschen in mystischer Tradition ihre Körper mit blauer Farbe schmückten.
Dass diese Tattoo-Sitte nach der Christianisierung nicht überall gut ankam, ja sogar ablehnend wurde, könnte für Brigitta (453-523) der Grund gewesen sein, sich gerade diesen Menschen zuzuwenden. „Auch heute dürfen wir nicht Menschen abstempeln, nur weil sie anders sind“, meinte Werner Bauer, der erstmals in der neuen Kirchengemeinde Acher-Renchtal das Brigittenfest mitfeierte. Unter den Mitfeiernden war auch Bürgermeisterin Dijana Optiz (CDU).
Die Kirchenchöre Sasbach, Obersasbach, Sasbachried und Lauf formierten sich unter der Leitung von Christine Alshut zu einem großen Chor, der künftig die Kirchenmusik gemeinsam pflegen uns so Werke wie die „Messe brève no. 7“ von Charles Gounod mit Thomas Feigenbutz an der Orgel singen möchte. Wer die Mönche aus Irland waren, die vor 1.275 Jahren in Sasbach eine Kirche gründeten und diese der „Hüterin des Glaubensfeuers“ Brigitta von Kildare weihten, ist nicht bekannt. Doch es müssen überzeugte und mutige Christen gewesen sein, die so einen mühsamen und gefährlichen Weg auf sich nahmen und 750 Mutterkirchen wie in Sasbach gründeten, von denen aus die Seelsorge in einem sehr weiten Umkreis wahrgenommen wurde.
Großpfarreien sind also keine moderne Erfindung. Bereits damals mussten die Gläubigen bei Wind und Wetter weite Wege vom Gebirge und der Rheinebene zurücklegen, um Gottesdienste in Sasbach zu feiern, die Kinder taufen zu lassen und zu heiraten.
Deshalb passt es zum Patrozinium, dass in der Kirche Sankt Brigitta auch eine Versammlung stattfand, in der sich die neuen ehrenamtlichen Mitglieder des Gemeindeteams vorstellten und per Handzeichen der Anwesenden gewählt wurden.
Es sind dies Alois Armbruster, Elisabeth Armbruster, Mac-Manuel Armbruster, Clemens Bühler, Christian Hacker, Silke Schwab, Marianne Weber und Claudia Wilhelm.
Mit deren Wahl wurde ein weiterer Schritt in der neuen Kirchengemeinde gegangen, während Gemeindereferentin Simone Sattler bei einem Empfang mit unterhaltsamer Musik der Trachtenkapelle Sasbach den ausscheidenden Mitgliedern Erika Meier, Gabi Glaser und Matthias Schwab dankte.