Festliches Patrozinium erinnert an den Schutzpatron und Märtyrer Stephanus in Oberachern.
Achern.Das Jesuskind im Stall von Bethlehem vor 2.000 Jahren, das fröhliche Weihnachtsfest mit vielen Geschenken und der getötete Diakon Stephanus in der Urkirche scheinen auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen.
Doch am zweiten Weihnachtstag wurde in Oberachern das Patrozinium zu Ehren des Märtyrers Stephanus gefeiert. Die Pfarrei gehört mit zu den ältesten in der Region und kann auf Wurzeln bis in die Zeit um 1.000 verweisen, sodass es hier neben der Verehrung des heiligen Antonius von Padua eine sehr lange Tradition im Gedenken an den ersten Märtyrer der frühen Kirche gibt.
Er wurde deshalb gesteinigt, weil er durch seinen vertrauensvollen Blick zu Gott und seinen konsequent gelebten Glauben zum Stein des Anstoßes wurde. Noch im Sterben betete er für seine Gegner.
„An Weihnachten hätten wir es gerne märchenhaft, doch Stephanus steht dazu scheinbar im Widerspruch“, betonte Pfarrer Christof Scherer. „Gestern feierten wir noch das Licht, heute erinnern wir uns an den Kampf zwischen dem Licht und der Dunkelheit.“ Doch er stellte deutlich fest, dass die Finsternis aus christlicher Sicht letztlich keine Chance habe. Denn dieses Licht, das vor 2.000 Jahren in Bethlehem „angezündet“ wurde, lasse sich nicht mehr ausblasen. „Dafür steht Stephanus mit seiner ganzen Glaubenskraft und seiner Liebe zu Gott“, betonte der Seelsorger, der am Ende seiner Predigt eine besondere Erfahrung machen durfte. Die vielen Besucher des Patroziniums spendeten ihm einen herzlichen Applaus, den ein Pfarrer nach einer Predigt nicht alle Tage bekommt. Der Grund lag in dem einfachen, aber aus weihnachtlichem Herzen kommenden Wort „Danke“, nachdem Scherer viele „Lichtmomente“ aufzeigte, die 2025 in Oberachern ganz im Sinne von Stephanus über die Finsternis siegten.
So wurde Bernd Müller zum Diakon geweiht, fünf Schwestern aus Burundi sorgten dafür, dass im Pfarrhaus wieder Licht brenne, und acht neue Ministranten wurden aufgenommen. Erwähnt wurden auch der Kirchenchor, die Caritas-Gruppe, die Senioren und viele Ehrenamtliche, die für Leben in der Gemeinde sorgen, Lichter anzünden und auch in der neuen Kirchengemeinde weihnachtlich unterwegs sein werden.
Wie „Oberacherner Lichtmomente“ klingen, durften die Mitfeiernden bei einem besonderen Geschenk der „Musica Sacra“ genießen, mit dem der Kirchenchor unter der Leitung von Helga Strack und Tim Huber an der Orgel sowie ein Streichquartett um Noemi Hummel den Festgottesdienst mitgestalteten. Dabei stand die melodisch ansprechende „Messe brève“ des französischen Romantikers Léo Delibes (1836–1891) im Mittelpunkt, die seine einzige lateinische Messe ist, aber umso prächtigere Klangfarben entlang der Liturgie hat. Mit „Puer natus in Bethlehem“ – „Ein Kind geboren zu Bethlehem“ des barocken Komponisten Gregor Joseph Werner ließ der Chor jenes Licht strahlen, das der Grund für Weihnachten ist.
Am zweiten Weihnachtstag gedenken die Oberacherner ihres Schutzpatrons Stephanus, der wegen seines Glaubens getötet wurde. Foto: Roland Spether